Das XML-Framework hinter einem Emmy-Preis
Eine Fallstudie von Altova
Wie Craig Seidel Altova XMLSpy und DiffDog eingesetzt hat, um das MovieLabs Digital Distribution Framework zu entwickeln, den Metadatenstandard, der das Streaming für alle großen Hollywood-Studios ermöglicht

Übersicht
Bei der Verleihung der 76. Emmy-Auszeichnungen für Technik, Wissenschaft und Innovation im Oktober 2024 erhielt Craig Seidel eine der Auszeichnungen für die Entwicklung des MovieLabs Digital Distribution Framework (MDDF). MDDF ist eine Sammlung von Standards, die festlegen, wie Film- und Fernsehmaterial, Metadaten und Lizenzinformationen zwischen Produktionsstudios, Dienstleistern und den Streaming-Plattformen ausgetauscht werden, die von Verbrauchern täglich genutzt werden.
MDDF wird von allen großen Hollywood-Studios und allen bedeutenden Anbieter von digitalen Inhalten eingesetzt und bildet die Grundlage für die digitalen Lieferketten von Diensten wie Disney+, Amazon Prime Video und HBO Max. Im Kern ist MDDF ein XML-Format: Jede Spezifikation innerhalb des Frameworks wird durch XML-Schemas definiert, die über mehr als 15 Jahre mit den Tools Altova XMLSpy und Altova DiffDog entwickelt, verfeinert und dokumentiert wurden.
Seidel war 14 Jahre bei Motion Picture Laboratories (MovieLabs) tätig, dem Technologie-Forschungslabor, das von den großen Hollywood-Studios gegründet wurde, wo er als Senior Vice President für Technologie verantwortlich war. Später war er als Chief Technology Officer bei Pixelogic Media tätig. Seidel ist seit langem ein Kunde von Altova und hat seit den ersten Versionen des Frameworks bis zu den neuesten Releases die Altova-Tools genutzt.
Die Herausforderung: Eine digitale Lieferkette ohne einheitliche Standards
Im Jahr 2008 befand sich die digitale Verbreitung von Filmen und Fernsehprogrammen noch in den Kinderschuhen. Das Streaming, wie wir es heute kennen, existierte noch nicht; das Geschäft drehte sich um digitale Downloads. Aber selbst dieser frühe Markt offenbarte ein grundlegendes Problem: Es gab keine einheitliche Sprache zur Beschreibung von Inhalten. Jedes Filmstudio, jeder Händler und jeder Dienstleister tauschte Titel, Coverbilder, Bewertungen, Informationen über Schauspieler und Crew sowie Lizenzbedingungen in eigenen, willkürlichen Formaten aus, die oft auf manuell gepflegten Tabellen und E-Mail-Anhängen basierten.

Die großen Filmstudios beauftragten MovieLabs mit der Leitung mehrerer Initiativen zur Verbesserung der Vertriebswege und Lieferketten für Konsumenten. In Zusammenarbeit mit den Studios und einer Vielzahl von Inhaltsanbietern setzte sich Seidel zum Ziel, gemeinsame, maschinenlesbare Metadatenstandards und -praktiken zu entwickeln, um die Verbreitung von Unterhaltungsangeboten zu unterstützen. Diese Bemühungen führten 2010 zur Veröffentlichung der ersten Spezifikation, "Common Metadata".
Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieses einzelne Dokument zu einer umfassenden Sammlung von Spezifikationen – dem MovieLabs Digital Distribution Framework – das sich mit Themen wie Lizenzbedingungen, beschreibenden und technischen Metadaten, der Bestellung von Inhalten, der Auslieferung und dem Status, Zusatzmaterial, Arbeitsabläufen und APIs befasst.
Die technischen Anforderungen waren anspruchsvoll. Das System musste die Komplexität einer ganzen Branche abbilden, einschließlich hunderter miteinander verbundener Datentypen, die alles von Audioeinstellungen bis hin zu Inhaltsbewertungssystemen in Dutzenden von Ländern beschreiben. Gleichzeitig musste es präzise genug für einen vollständig automatisierten Datenaustausch zwischen Maschinen sein. Da das Ziel eine flächendeckende Einführung in der gesamten Branche war, mussten die Datenstrukturen sorgfältig dokumentiert, versioniert und so konzipiert sein, dass sie sich über viele Releases weiterentwickeln können, ohne die darauf basierenden Systeme zu beeinträchtigen.
Die Lösung: Branchenstandards, implementiert in XML mit Altova-Tools
XML erwies sich als die ideale Grundlage: Es bot eine robuste Schemavalidierung, ausgereifte Werkzeuge und die Ausdruckskraft, um komplexe Unterhaltungsmetadaten auf standardisierte Weise zu modellieren. Für die Entwicklung und Pflege der Schemata selbst entschied sich Seidel für Altova XMLSpy.
“The schemas are the heart of MDDF: they are the contract between everyone in the supply chain. XMLSpy's graphical XSD editor let us design and evolve hundreds of complex types while keeping the whole model understandable. We could see the structure, not just the angle brackets.” — Craig Seidel
Today the framework's core Common Metadata schema alone defines more than 200 complex types and over 100 simple types, spanning descriptive metadata, technical metadata for video, audio, and subtitles, people and organizations, and rating systems worldwide. XMLSpy's graphical XML Schema editor made it possible to develop and refactor this model release after release, while its validation engine ensured that every published schema, and the sample XML that accompanies it, was correct.

Die Versionsverwaltung war ebenso entscheidend. Die MDDF-Spezifikationen sind lebendige Standards: Die gemeinsame Metadatenstruktur wurde im Laufe zahlreicher Versionen weiterentwickelt, zuletzt in Version 2.25. Da Studios und Plattformen ihre Produktionssysteme auf bestimmte Schema-Versionen aufbauen, müssen alle Änderungen zwischen den Versionen sorgfältig geplant, dokumentiert und geprüft werden. Hier wurde DiffDog, das XML-fähige Diff/Merge-Tool von Altova, unverzichtbar.
_“Each specification is a combination of the written document and the XML Schema, and the two have to match. I use DiffDog to reconcile changes in the schemas with changes in the documents. It’s helped me catch countless errors prior to publication." _— Craig Seidel
Documentation completed the picture. Alongside each specification PDF, MovieLabs publishes browsable HTML schema reference documentation generated by XMLSpy — complete with content-model diagrams, property tables, and source excerpts for every type. For implementers at studios, service providers, and platforms, this generated documentation is a primary reference for building MDDF-compliant systems.

Von Anfang an hat das Team eine bewusste strategische Entscheidung getroffen: Die Spezifikationen, Schemata und die Dokumentation werden alle kostenlos und ohne Einschränkungen unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.
“We were very intentional about making everything available to anyone, free of charge and with no restrictions. The idea was to make adoption as easy and painless as possible — and it worked.” — Craig Seidel
The Results: An Industry Standard — and an Emmy
Was als Projekt zur Verwaltung von Metadaten im Zeitalter des Downloads begann, existierte bereits, als die Branche auf Streaming umstellte, und wurde zum Fundament, auf dem das Streaming-Zeitalter aufgebaut wurde. MDDF wird heute von allen großen Studios und allen wichtigen Anbieter von Inhalten genutzt und ermöglicht die Verteilung von Inhalten für Dienste wie Disney+, Amazon Prime Video und HBO Max. Strukturierte, validierte XML-Dateien ersetzten die Tabellenkalkulationen und E-Mails der frühen digitalen Lieferkette, was die Automatisierung ermöglichte, Kosten senkte und alles von vollständiger Lokalisierung bis hin zu barrierefreien Inhalten auf globalen Plattformen unterstützt.
Am 23. Oktober 2024 würdigte die Television Academy diese Wirkung mit der Verleihung eines Emmy-Preises für Ingenieurswesen, Wissenschaft und Technologie an Seidel bei einer feierlichen Veranstaltung im Saban Media Center in North Hollywood. Dort wurde das "MovieLabs Digital Distribution Framework" vorgestellt.
“The Emmy recognizes what the whole industry accomplished together. We built a common language for digital entertainment, and Altova's tools were with us at every step — from the first schema we designed in XMLSpy in the early days to the releases we publish today.” — Craig Seidel
Every day, when viewers around the world browse a streaming catalog, see a title's artwork and description, or press play on a localized version of a film, MDDF's Emmy-winning XML framework is working behind the scenes, designed, compared, validated, and documented with Altova software.